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Polnische Bahnhöfe können zwar nur selten mit Aufzügen dienen, dafür findet sich jedoch meist noch der in Vergessenheit geratene Weg am Ende der Bahnsteige über die Gleise. Die Radmitnahme ist dafür unkompliziert. In deutschen Zügen mit dieser Ausstattung und ohne Fahrradabteil wäre ich wohl nicht mitgekommen.

  

In Stettin hielt ich kurz Kriegsrat mit meinem angeschlagenen Rücken. Da er nicht schon wieder auf einem Bahnsitz Platz nehmen wollte und ich unbedingt noch die 4000km voll machen wollte, entschieden wir uns einstimmig, den Weg nach Schwedt und über die Grenze auf dem Fahrrad zurückzulegen. Nochmal 50km auf endlich guten Straßen und Radwegen. Selbst die Abfahrt in diesen kleinen Uckermarkort war auf kleinen Pflastersteinen, die perfekt verlegt wurden, ein Vergnügen.

  
Da ich auf der abschließenden Fahrt nach Pankow den Ergeiz hatte, meinen Anhänger nicht mehr abzunehmen, standen mir nur noch schwergängige Türen (nicht wirklich ideal für Rollstuhlfahrer am Bahnhof Bernau) und zu kurze Aufzüge im Weg. Aber mit aufgerichtetem Fahrrad geht auch letzteres.

Nun heißt es, ein paar Tage in Berlin den Rücken wieder fit zu bekommen.

Das Experiment: mit einem Rennrad um die Ostsee, hat mit dem Schwalbe Marathon plus (Dank nochmal an Georgs Fahrradladen) eigentlich gut geklappt. Ich hatte keinen einzigen Defekt und musste nur ein einziges Mal nachpumpen. Lediglich die vielen sandigen Abschnitte und die damit verbundenen Stürze und Schiebeeinlagen haben die Schaltung und meinen Rücken ruiniert.

Die beste Note erhält nach dem eh fahrradfreundlichen Dänemark tatsächlich Polen von mir. Hier passiert wirklich gerade viel in Sachen Fahrradwege. Jedoch sollten sie sich dringend Rat bei den Holländern holen in der Ausführung.

Die schlechteste Note erhält nicht etwa Lettland, wo die erneuerten Straßen immerhin durchgehend einen breiten Seitenstreifen erhalten, sondern Schweden. In Schweden werden Straßen so erneuert, dass es schier unmöglich wird, auf ihnen mit dem Rad zu reisen. In einem Land, wo die Grünen mitregieren ein enttäuschendes Fazit. Alternativwege neben den großen Straßen sind oft nur Sand- und Schotterpisten. Hier sollte man unbedingt dicke Reifen wählen.

Die nächsten zwei Reisen stehen eigentlich schon fest:

Dänemark – etwa 2 Wochen mit Rennrad

Etwa 3 Wochen Ostseeküste von Fehmarn bis Kleipeda, um die Lücke im Süden zu schließen, und über Warschau zurück, das dann aber mit etwas komfortableren Reifen.

Und da ich nun mit 40 die 4000km geschafft habe, wird es dann vor meinem 50igsten ja vielleicht die lange Nordkapfahrt über die finnische Küste mit dann 5000km.

Der Kreis schließt sich

Danzig! Abgesehen von den typisch polnischen Dingen und vielen Baustellen hat diese Stadt sehr viele Parallelen zu Lübeck, wo meine Reise quasi begann. Nun werde ich morgen auf dem schönsten Bahnhof des Nordens den Zug besteigen und Nachmittags noch kurz einen Eindruck von Stettin auffrischen, um dann die Ostsee zu verlassen. Ich hab nicht wirklich viel von der See gesehen, aber viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ostseeländer kennengelernt. Theoretische Studien über die Hanse und das Wirken der einzelnen Nationen werden wohl folgen, denn vieles erschließt sich wohl erst mit ausreichend Hintergrundwissen.

  
Mal nicht die überlaufene Hauptstraße sondern eine ebenso typische Parallelstraße

  
Der klassische rote Backstein hier an der alten Markthalle

  
Und die Bahnhofsgebäude, ohne große Halle, losgelöst von den Gleisanlagen

  
Mein wahrscheinlich letztes Ostseefoto: der Hafen im Hintergrund

Der Strandsand juckt in den Augen, also werde ich hier mal Schluss machen!

Ein entspannter Tag zwischen Lidzberg und Elblag

Nachdem ich gestern feststellen musste, dass auch für Touristen erstellte Karten nicht immer die Wahrheit wiedergeben – den eingetragenen Campingplatz hat es nie gegeben – hab ich in diesem netten, 168 Jahre altem Russischen Jagdhaus des Zaren, was in Lidzberg neu aufgebaut wurde, ein Quartier gefunden.

   
Um meinen Gastgeber nicht zu verärgern trank ich mehr, als ich es sonst in einem Jahr mache: zwei Vodka und ein Bier. Ich bin halt in Polen! Auf nüchternen Magen keine gute Idee. Den Weg zu einer Nahrungsquelle fand ich dann torkelnd durch die wunderschöne Kleinstadt. Schnapp(s)schüsse riskierte ich an dem Abend keine mehr, daher sind die Bilder vom heutigen Morgen.
  
  
Gut ausgeruht ging es dann auf einen offiziellen Radweg auf einer alten Bahntrasse. Für den Asphalt hat das Geld nicht gereicht, aber ich konnte ihn auch mit meinen Reifen gut bewältigen.

  
Das weckt Vorfreude auf den Zug am Freitag, der mich von Danzig nach Stettin bringen wird. Man beachte die stilisierten Fahrradständer in Form einer Lock.

  
Hier fehlte das Geld für einen Teilabschnitt mit Unterführung.

  
bis auf die wenigen Ausweichabschnitte, waren diese 28km aber ein Traum. Schade, dass man kaum Hinweise hier zu diesem Weg findet. Entsprechend schwach genutzt wurde er auch.

  
Auf schönen Allen mit meist gutem Asphalt ging es dann nach Elblag. Die letzte Abfahrt in den Ort war ein Traum für jeden Rennradprofi.

Polnische Straßen – eine große Vielfalt

  

Grenzübergang nach Polen: der Weg stimmt optimistisch

  
Tolle Alleen lassen mich kaum etwas vom Wind merken, der aber heute nicht aus dem Westen bläst.

  
Die tolle Landschaft tröstet auch über holprige Nebenstraßen hinweg. Wenn die Straßen in Schweden mit Knäckebrot zu vergleichen sind, dann ist es nun Schweizer Käse und der noch beste Asphalt auf diesen Nebenstraßen sieht dann so aus:

  
Abgesehen von einer Kopfsteinpflasterpassage konnte ich aber ohne Schieben durchfahren und dann gibt es noch diese Lichtblicke.

  
An vielen Stellen werden sie gerade gebaut. In spätestens 10 Jahren radle ich nochmal in den Masuren!

  

2 Tage Quälerei durch Litauen

Mit etwa 320km und einer wilden Übernachtung in einer Bushaltestelle hab ich nun auch Litauen durchquert. Der Wind wollte jedoch, dass ich dahin zurückfahre, wo ich herkam. 😁

  
Der verweiste Grenzübergang und die „Vorfreude“ auf viele gerade Kilometer auf der Via Baltica.

  
Ein kleiner Ort nördlich von Kaunas. Die letzten 55km waren nicht mehr drin. Wie schon erwähnt: der Wind wollte es anders.

  
Die Burganlage von Kaunas

  
Was dieser Fahrradbaum mit vielen u.a. deutschen Städteflaggen zu bedeuten hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Nur soviel: auch Litauen ist kein Land für ausgiebige Radreisen!

  
Camping in der südwestlichsten Ecke: Pušelo. Das andere Ufer darf ich nicht betreten: russische Enklave.

Es geht weiter nach Süden und dann scharf nach Westen, immer an der russischen Grenze entlang aber natürlich auf polnischen Straßen.

Danzig erreiche ich dann hoffentlich am Mittwoch.

Erste Ermüdungserscheinungen?!

…oder doch einfach nur die falsche Fortbewegungsart mit dem Rad, wenn man es 10km durch tiefe Sandwege schieben muss?

Mein unter Rücken streikt auf jeden Fall und ich habe beschlossen nur noch die vielbefahrenen Hauptstraßen durchs Baltikum zu nutzen. Nicht schön aber immer noch besser, als mir durch Schiebeeinlagen den Rücken zu ruinieren.

220km vor Kaunas wartet nun eine lange Hauptstraße auf mich, aber vielleicht gehts ja am Samstag noch. Heute habe ich noch nach 19:00 im Schnitt 6LKWs und 16 andere Autos auf 1km in meine Richtung gezählt. Das ist kein Vergnügen mehr!

  
Die orthodoxe Kirche in Riga durfte ich leider in meiner Aufmachung nicht betreten.

  
Aber Riga ist schon ne tolle Stadt. Es gibt viel zu sehen.

  

Ein neues Land

…ohne viel Wegalternativen

…mit einem traumhaften Campingplatz

Eigentlich wollte ich heute Riga erreichen. Auf Nebenwegen weiter im Landesinneren hätte das 207km bedeutet. Auf der wirklich stark befahrenen Hauptstraße, die überall gebaut wird wären es nur 180 gewesen. Der Versuch, auf einem ausgeschilderten Radweg an Küstennähe etwas Ruhe zu finden, scheiterte an der Tatsache, dass ich für 300m mein Rad samt Anhänger eine steile Treppe hinunter zum Ostseeufer befördern hätte müssen und da unten nur Sand und riesige Steine auf mich gewartet hätten. Also locker 20km auf Sandwegen und solchen, die man höchstens in der Tatra als Weg bezeichnen würde umsonst gefahren.

Da die Campingplatzkarte aber keinen Platz vor Riga auswies, vertraute ich doch mal wieder meinem Navi: Volltreffer, der bisher definitiv schönste Platz auf meiner Reise!

  
Mitten im Wald! 30€ für so eine 2-Personen-Fasshütte waren mir dann aber doch zu viel.

  
Die investiere ich dann doch lieber in einen gesunden Salat und spare mir das Kochen. Aber für 5€ Zelten ist auf dem Platz unschlagbar günstig!

  
Der Weg endete zwar später in einer Sackgasse, aber die Nähe zur Küste habe ich genossen! Vielleicht springe ich auch gleich mal in die See. Hängt vom Algenbefall ab.

Zwangspause in Pärnu (Pernau)

In dieser von den Deutschen gegründeten Hansestadt, die sicherlich viel durchgemacht hat incl. Totalzerstörung, schiebe ich nun einen Ruhetag ein. In einer kleinen Holzhütte auf einem improvisierten Campingplatz blieb auch mein Zelt heut Nacht trocken. Das Bett war aber viel zu verführerisch und das Wetter unangenehm stürmisch, was gestern Abend mir schon schwere Beine verschafft hat. So warte ich auf besseres Wetter ab morgen, fülle meine Energietanks auf und konnte mir endlich ein paar neue Sportsocken kaufen. Zwei Paar habe ich gründlich durchgewetzt an der Achillessehne.

Noch 8km und ich habe auch die 3000er Marke geknackt.

  

Auf dem Weg nach Pärnu: die war bestimmt auch nicht viel schneller!

  

Orthodoxe Einflüsse: nach den Schweden kamen die Russen. 

  
Ein paar schöne alte Häuser stehen hier auch. Ähnlichkeiten zu Kristinenstadt sind erkennbar.

  
Reste der alten Stadtbefestigung

  
In diesem kühlen Nass konnte ich sogar ein paar Meter schwimmen. Das wird wohl auch David Oistrach bei seinen alljährlichen Sommerurlauben hier gemacht haben.

Nächstes Ziel: Riga!

 

Ankunft im Baltikum

Nachdem mir Internetrecherchen zunächst nur Autofähren anboten, deren Abfahrtzeiten eher ernüchternd waren, lag im Hafen dann eine schnelle Personenfähre der Lindaline, die noch eben auf mich gewartet hat. Man muss auch mal Glück haben und: vertraue nicht immer nur auf Google!

  
Eine Leipziger Spieluhr im Sibeliusmuseum von Turku

  
Und nach diesem improvisierten Nachtquartier…

  
…das obligatorische Beweisfoto am Sibeliusdenkmal von Helsinki, das wie durch Zufall genau auf dem Weg zum Fährhafen lag

  
  
Unterhalb des Citycampingplatzes von Tallinn weht sogar eine deutsche Flagge. Ansonsonsten höre ich hier mehr Russisch als Estisch.

  
Und gegenüber: ein wunderschöner Sonnenuntergang an der Ostsee.

Zweieinhalb Tage Sonnenschein

Gestern am Nachmittag war es dann vorbei. Zwei Stunden saß ich fest und daher nun in einem Hotel in Turku. Zum abseits gelegenen Campingplatz war es einfach zu spät. Dafür gehts gleich zu Fuß ins Sibeliusmuseum!

   
 

Die Kirche und eines der sehr alten Häuser in Kristinenstadt.